Dienstag, 8. April 2014

7. Tag: Unter diesem Stern sind wir täglich unterwegs!

Ich sitze im 12.Stock eines Superhotels in Ha Long. Vor mir breitet sich die Ha Long-Bucht aus – ein Bild, wie geschaffen für ein kitschiges Fotoalbum. Doch was ist heute passiert?

Wir haben heute gesehen, dass die Vietnamesen ein fleißiges, früh aufstehendes Volk sind – wir haben das nicht gerne überprüft, aber wir mussten: Weckzeit war heute um 4 Uhr 45, Abfahrt Richtung Flughafen um 5 Uhr 30, Einchecken und Abheben Richtung Hai Phong um 7 Uhr 30. Nach ein paar Absackern beim Durchfliegen der Wolkendecke („Aaaaaah“, „Oooooooh“, aber auch „Iiiiiiiiiiiiiih“ waren zu hören) erreichten wir Hải Phòng um 9 Uhr. Unser neuer Reiseleiter Herr Sung holte uns vom Flughafen ab. Im Bus ging es Richtung Ha Long. Herr Sung hat früher in der DDR gearbeitet. Er erzählte uns, dass ein Teil seines Lohnes in der DDR einbehalten wurde, um die Schulden Vietnams zu tilgen.




Hai Phong ist die drittgrößte Stadt Vietnams mit sehr vielen gut erhaltenen Kolonialbauten – das haben wir
zumindest vom Bus aus gesehen. Was mich an den Städten hier fasziniert, ist die Stromversorgung – fast kein einziges Kabel liegt unterirdisch. Man sieht oberschenkeldicke Kabelstränge an Strommasten am Straßenrandigungen; teilweise schlängeln sich die Leitungen durch Bäume hindurch – ein Wirrwarr an Stromleitungen: ein Eldorado für Elektriker und alle, die es noch werden möchten.

Auf unserer Busfahrt nahm die Lichtstärke durch Wolken immer weiter ab – es setzte dann die Luftreinigung mittels intensiven Regen ein. Ich weiß nicht wohin die vielen Mopeds verschwanden, aber auf einmal waren nur mehr Gefährte mit Dach unterwegs – unser Bus war aber auch nicht ganz dicht, sodass der Beifahrer die Rinnsale am Mittelgang mittels Fetzen zu bändigen versuchte – es gelang ihm. Nachdem das vorgesehene Schiff für den Ausflug in die die Ha Long-Bucht keine Auslaufgenehmigung wegen des schlechten Wetters bekam, checkten wir um 11 Uhr in diesem schönen Hotel ein, aus dem die Aussicht auf die Ha Long-Bucht überwältigend ist.

Die kleine Pause im Hotel tat allen gut. Um 12 Uhr 30 ging es dann vom Hotel zum Hafen. An Bord unseres Ausflugsschiffes wurden wir mit einem Mittagessen bei Laune gehalten: Meeresfrüchte in allen Varianten – und wir hatten das Schiff für unsere Reisegruppe alleine. Von Herrn Sung erfuhren wir, dass es in der Ha Long-Bucht 1969 Inseln gibt, die Bucht zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört und dass die Zahl der Schiffe von 30 im Jahr 1990 auf derzeit über 600 explodiert ist. Während wir aßen, tauchten wir ein in diese faszinierende Inselwelt – einige von uns gingen nach draußen, um sich dort „satt“ zu sehen: man gleitet mit dem Boot fast lautlos durch diese fantastische Kulisse. Überall grüne, steil abfallende Inseln, Adler kreisen am Himmel; eine Insel hat die Form eines Daumens, und sie heißt auch so – und sie ist grün: Der grüne Daumen ist also hier in der Ha Long Bucht beheimatet.

Ja, dieses geruhsame leise Dahingleiten in dieser Naturkulisse lässt einen fast gläubig werden („denn Gott wird in der Schöpfung wahrgenommen“), wenn ….Wir verbrachten vier Stunden auf dem Wasser, dann fuhren wir ins Hotel zurück. Abendessen ist heute um 19 Uhr 30 angesagt. Ich will Euch kein Foto davon schicken – um sabbern zu vermeiden!     

Erich Kiesenhofer

Montag, 7. April 2014

6.Tag: Begegnung mit meinen Patenmädchen Diem & Ny

Rund 12.000 Kinder leben im Projektgebiet Hiep Duc. Den Lebensweg von zwei dieser Kinder konnte ich seit 12 Jahren mitverfolgen. Beide sind inzwischen junge Frauen. Und beide durfte ich heute erstmals persönlich treffen. Gut, dass ich wasserfeste Mascara mithatte.

Nach zwei Stunden Fahrt durch eine fruchtbare Landschaft mit grünen Reisfeldern erreichten wir unser Ziel. World Vision-Mitarbeiter und Vertreter der lokalen Regierung bereiteten uns einen herzlichen Empfang.
Nghia, der  Manager des Regionalentwicklungsprogramms Hiep Duc, berichtete von den Errungenschaften, die in Hiep Duc seit dem Jahr 2000 erreicht wurden. Was der Projektmanager in sehr positiven Zahlen schilderte, wurde dann im Bericht der Mutter eines Patenkindes lebendig. Sie konnte durch verbesserte landwirtschaftliche Anbaumethoden ihren Ernteertrag so verbessern, dass jetzt ihre 2 Töchter studieren können.

Auch mein erstes Patenkind Diem, die älteste von 5 Schwestern, konnte ein Studium abschließen. Diem erzählte uns, wie sehr World Vision geholfen hat, ihren Lebenstraum zu verwirklichen und zu studieren. Auch meine jährliche Sonderspende half, die Studiengebühren zu bezahlen. So schwierig die Lebenssituation nach dem Tod ihres Vaters auch war: Keines der Kinder musste die Schule aufgeben, und auch Diems jüngere Schwester studiert jetzt Medizin.

Mein jetziges Patenkund Ny ist die Schwester von Diem und steht kurz vor dem Abitur. Ich bin sehr stolz auf meine Patenmädchen. Durch den intensiven Briefkontakt hatten wir eine sehr schöne Beziehung aufgebaut. Als wir uns jetzt endlich gegenüberstanden und umarmten, waren wir zu Tränen gerührt.

Als wir gemeinsam eine Schule besuchten trafen wir Schüler und Schülerinnen, die, obwohl Sonntag, an einem Projektwettbewerb teilnahmen. Verschiedene Umweltthemen wurden von den 12- bis 15-jährigen Mädchen sehr selbstbewusst vorgetragen. Beim gemeinsamen Mittagessen mit unseren Patenkindern legten mir Diem und Ny die besten Bissen vor, zeigten mir den Umgang mit Essstäbchen und erklärten mir, dass man die Hühnerknochen diskret unter den Tisch wirft.

Beim Abschied, der viel zu rasch kam, flossen die Tränen. Im September dieses Jahres wird sich World Vision aus dem Projektgebiet Hiep Duc zurückziehen. Die Bevölkerung wird erfolgreich eigenverantwortlich weitermachen, und leider werde ich keinen weiteren Kontakt zu meinen beiden Patenkindern haben.
Beeindruckt von den vielen positiven Erlebnissen kehrten wir nach Hoi An zurück, wo wir einen spektakulären Sonnenuntergang über dem Fluss erlebten.

Astrid Stenzel

6. Tag: Endlich treffe ich mein Patenkind

Ich hatte heute das große Vergnügen, endlich mein Patenkind Giang zu treffen. Nachdem wir den offiziellen Teil unseres Besuchs abgeschlossen hatten, fuhren wir zur Schule, wo uns ein nettes Programm erwartete.


Dann war es endlich soweit. Wir gingen alle in den Schulhof. Vor mir stand ein junger Bursche, den ich bisher nur von den Fotos kannte. Wir begrüßten uns herzlich, und es wurden mit dem Vater von Giang sofort die ersten Fotos gemacht.

Begleitet von einer sehr netten Mitarbeiterin von World Vision, die aus dem Vietnamesischen ins Englische übersetzte, gingen wir in ein Klassenzimmer, wo sich auch die anderen Paten mit ihren Patenkindern und Begleitpersonen einfanden. Zum Gruß bekamen wir Paten einen Blumenkranz um den Hals gelegt. Wir hatten jetzt Zeit uns kennen zu lernen. Ich fragte mein Patenkind viel über die Schule, die Familie, die Hobbys und was er einmal werden möchte. Giang war sehr scheu, aber dank der Hilfe "meiner" Dolmetscherin erfuhr ich doch einiges: Giang möchte Medizin studieren, er liebt Mathematik, Physik und Erdkunde. Seine Familie betreibt eine kleine Landwirtschaft. Sie pflanzen Reis, Maniok und Gemüse an. Durch eine kleine Schweinezucht kann die Familie sich jetzt die Vergrößerung ihres Hauses leisten. Ganz stolz verkündete mir der Vater, dass sie eine eigene Toilette besitzen. Die Familie wollte auch einiges von mir erfahren und hat über meine Späße sehr gelacht.

Giang freute sich sehr über meine Geschenke, ich freute mich sehr über eine nette Zeichnung, die er mir überreichte. Anschließend fuhren wir noch zu einem gemeinsamen Mittagessen, wo wir viel Spaß hatten. Mein Patenkind wurde immer gesprächiger und bis zum abschließenden Gruppenfoto verstanden wir uns prächtig. Es war ein sehr intensives und berührendes Erlebnis Das eigene Patenkind zu treffen ist ein Erlebnis, das ich jedem Paten empfehlen kann. 

Vito Mussner

6. Tag: Bei unserem Patenkind in Hiep Duc

Heute ging unser lang ersehnter Wunsch in Erfüllung, unser Patenkind Hong, ein 13-jähriges Mädchen, persönlich kennen zu lernen. Wir verließen unsere sehr schöne Hotelanlage in Hoi An um 7 Uhr morgens mit drei Kleinbussen und fuhren Richtung Südwesten entlang von Reisfeldern, auf denen bereits fleißig gearbeitet wurde.

Während unserer Fahrt erhielten wir interessante Hintergrundinformationen über die Arbeit von World Vision in der Region. Noch vor der Ankunft in Hiep Duc hielten bei einer mit Unterstützung von World Vision errichteten Brücke, die vielen Kindern den Schulbesuch ermöglicht. Zwei Stunden später erreichten wir das Gemeindezentrum in Hiep Duc, wo uns der Bezirksleiter herzlich willkommen hieß. Nach einer Einleitungsrede wurden uns die wesentlichen Verbesserungen für die Region präsentiert, die durch die Zusammenarbeit mit World Vision ermöglicht wurden: So sind die landwirtschaftlichen Erträge erheblich gestiegen. Die Bevölkerung wurde in der biologischen Landwirtschaft und in der Viehzucht geschult. Ganz wichtig sind die Verbesserung im Bildungsbereich, von denen die Kinder in den Kindergärten und Schulen profitieren. Initiativen von World Vision im Gesundheits- und Ernährungsbereich haben bewirkt, dass die Kinder heute viel besser vor Unterernährung geschützt sind. Das Ziel ist immer, das Know-how der Menschen zu verbessern. 

Der erste sehr emotionale Moment war für uns die herzliche Rede der Mutter eines Patenkindes. Sie drückte ihre Dankbarkeit dafür aus, dass sie trotz aller Schwierigkeiten jetzt in der Lage ist, ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen und ein neues Haus zu bauen. Äußerst berührend empfanden wir auch die Worte eines ehemaligen Patenkindes. Das Mädchen berichtete unter Tränen über ihre abgeschlossene Universitätsausbildung. Sie hat bereits einen Job in Südvietnam. Mit Unterstützung durch World Vision konnte sie trotz des Todes ihres Vaters ihr Studium beenden.

Dann näherten wir uns bereits unserem Höhepunkt. Wir fuhren zur Schule und wurden gleich mit einem Malwettbewerb der Kinder überrascht. Es folgten eine sehr bemühte Michael-Jackson-Parodie sowie ein Duett zweier Mädchen. Alle gaben sich große Mühe und waren engagiert bei der Sache. Dann wurden wir in den Schulhof geführt, und alle Paten wurden von ihren Patenkindern mit einem Blumenkranz begrüßt. Unser Patenkind Hong eilte zielstrebig auf uns zu und begrüßte uns mit einem zauberhaften Lachen im Gesicht. Wir lernten auch ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder kennen.Wir unterhielten uns mit allen, und spätestens nach der Übergabe der Geschenke war das Eis gebrochen. Ich bekam zu meiner Überraschung ein selbst gemaltes riesengroßes Bild!
Danach ging es zu einem gemeinsamen Mittagessen im Ort. Wir wurden von unserem Patenkind in die Kunst des Essens mit Stäbchen eingeschult. Nach der wehmütigen und herzlichen Verabschiedung fuhren wir schnurstracks zu einem für die Region typischen Haus, das mitten in den Reisfeldern in malerischer Umgebung lag. Der Bauer begrüßte uns vor dem Haus und erzählte stolz, welche Fortschritte er mit Hilfe von World Vision erzielt hat. Er erntet jetzt wesentlich mehr Reis, züchtet Schweine und Hühner und wohnt mit seiner Familie in einem gemauerten Haus. Dem Bauern war die Dankbarkeit für die Hilfe von World Vision anzusehen, aber auch der Stolz auf das, was er und seine Familie sich hart erarbeiten konnten. Wir wurden mit köstlichen Bananen bewirtet und brachen zum nächsten Erlebnis auf - der Besuch eines von World Vision initiierten Kindergartens.

Die Kinder hatten für uns eine Gesangs- und eine Tanzdarbietung einstudiert und hatten viel Spaß dabei. Wir erfuhren, dass der Kindergarten mit Hilfe von World Vision errichtet wurde. Jetzt sorgt World Vision für die laufende Schulung des Personals, die Bevölkerung kümmert sich um die Pflege des Areals und der Staat um die Bezahlung der Angestellten. Zu Beginn besuchten nur 16 Mädchen und Buben diesen Kindergarten. Inzwischen haben ihn schon über 360 Kinder abgeschlossen.

Gleich nebenan haben wir eine Ernährungs-Beratungsstelle besucht, die monatlich von 24 Müttern zum Erfahrungsaustausch genutzt wird. Hier waren die Mütter bei einem Quiz recht enthusiastisch und lautstark zugange. Ein Thema war das Stillen mit Muttermilch. Die Beratungsstelle wird von den Frauen selbst verwaltet und dient auch zur Unterstützung von Müttern, die Hilfe brauchen. Dafür sparen alle Mitglieder immer wieder kleine Beträge an.

Nachdem wir mit köstlichem frischen Obst bewirtet wurden, fuhren wir wieder in das Hotel nach Hoi An zurück. Jetzt erwartet uns wieder ein ausgezeichnetes Abendessen als Abschluss eines außergewöhnlichen und eindrucksvollen Tages, den wir mit Sicherheit so schnell nicht vergessen werden.


Sabine und Dieter Bonefeld

Tag 5: Über den Wolkenpass nach Hoi An

Mit etwas Verspätung berichten wir heute über unsere weiteren Reisestationen am 5. April:

Mit dem Bus fuhren wir von Hue über den Wolkenpass nach Hoi An. Bereits nach wenigen Kilometern machten wir halt beim Mausoleum des Kaisers Khai Dinh. Er regierte von 1916 bis 1925 und stand unter großem Einfluss der 
 Franzosen. Daher war er in der Bevölkerung nicht sehr beliebt. 

Weiter ging es vorbei an Reisfeldern und Bambuswäldchen Richtung Wolkenpass. Der Pass ist bekannt als Wetterscheide zwischen Nord- und Südvietnam. Auf der Nordseite hatten wir dichte Wolken, und am Pass sah man nur wenige Meter weit. Aber kurz danach lichtete sich die Wolkendecke, und wir blickten hinab auf die Bucht von Da Nang. Aus dem kleinen Fischerdorf Da Nang entwickelte sich eine Provinzhauptstadt mit 1,1 Millionen Einwohnern. Hier sind 1963 die ersten amerikanischen Truppen auf vietnamesischem Boden gelandet.

Vorbei an kilometerlangen Sandstränden fuhren wir weiter nach Hoi An. Vor 300 Jahren war Hoi An eine bedeutende Hafenstadt, wurde in dieser Funktion aber später von Da Nang abgelöst. Seit 1990  hat sich die Stadt zu einem Touristenziel entwickelt. Wegen ihrer alten Häuser mit kunstvollen Schnitzereien wurde die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben.

In den engen Gassen sind Besucher aus der ganzen Welt anzutreffen. In den kleinen Bars und Restaurants kann man gemütlich essen und trinken. Am Abend ist Hoi An beleuchtet von Lichterketten, Kerzen und farbenprächtigen Lampions. Hier haben wir beim Abendessen zwei Mitarbeiter von World Vision Vietnam zu einem Vorgespräch für unseren Besuch im Projektgebiet Hiep Duc getroffen.

Hanni und Reinhard Robl