Posts mit dem Label Entwicklungsarbeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Entwicklungsarbeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 28. April 2014

Projektbesuch Mosambik, Kazuzo: Wenn für die Schule keine Zeit bleibt...

Reisetagebucheintrag 17. April 2014:
Unsere erste Station in Kazuzo ist wieder das Haus des "Development-Facilitators". Dort warten wir auf einen freiwilligen Community Worker, der uns zu einer Familie bringen soll, die sehr abgelegen lebt. Da nur er weiß, wie wir dahin kommen, sind wir auf seine Hilfe angewiesen. Im Moment verhandelt er aber noch mit einem Chinesen, der irgendwas von ihm mieten will...

Während wir warten, kommen wieder allerhand Neugierige heran, um sich die beiden weißen Frauen näher anzusehen. Viele, die aussehen wie wir, kommen hier offenbar nicht vorbei.
Besonders die Kinder signalisieren mir immer wieder, dass sie fotografiert werden wollen, und werfen sich in Pose, sobald ich meine Kamera zücke.
Dann ist es endlich soweit und wir fahren los. Da man nicht mit dem Auto bis zum Haus der Familie fahren kann, steht uns ein Fußweg durch den Busch bevor. Wie lange der sein wird, lässt sich nicht herausfinden: Die Distanzen werden hier nur geschätzt, ebenso wie die Zeit, die man benötigt, um irgendwo hinzukommen. Wir sind also gespannt...
Wir folgen einem schmalen, gewundenen Feldweg. Die mannshohen Pflanzen am Wegrand versperren uns die Sicht, man sieht jeweils nur bis zur nächsten Biegung.
Wie immer, wenn man einen Weg nicht kennt, kommt er einem länger vor. Trotzdem glaube ich, dass wir mindestens eine halbe Stunde unterwegs sind, vielleicht auch länger. Die Vorstellung, dass jetzt irgendwo eine Schlange aus dem Gebüsch kriecht, ist nicht sehr verlockend: Wenn hier und jetzt einer von uns gebissen wird, dann war´s das. Aber wir haben Glück, keine Schlange weit und breit...
...nur ein paar Ziegen suchen am Wegesrand nach Essbarem.
Bevor wir ankommen, müssen wir noch einen Bach durchqueren, es gibt keinen anderen Weg. Also Schuhe und Socken ausziehen und barfuß durchs knietiefe Wasser. Es sind zwar nur wenige Meter, aber mir fällt trotzdem ein, dass es hier doch auch sowas wie Bilharziose (auch Schistosomiasis genannt, eine sehr unerfreuliche Wurmerkrankung) geben soll. Aber das vergess ich lieber schnell wieder!
Und dann sind wir auch schon am Ziel unserer "Expedition". Die Familie erwartet uns bereits.
Auch hier haben sich wieder jede Menge Schaulustige aus der Nachbarschaft eingefunden, die die Abwechslung, die unser Besuch bringt, nicht versäumen wollen.
Hergekommen sind wir, weil es in der Familie ein Problem gibt: Die Mutter ist seit längerem krank und daher auf die Hilfe ihrer kleinen Tochter angewiesen. Welche Krankheit die Frau hat, weiß sie nicht, sie war nur einmal deswegen in der Gesundheitsstation. Dort konnte man ihr nicht helfen und hat sie ins nächste Krankenhaus geschickt. Das ist allerdings sehr weit entfernt und ohne Transportmittel nicht zu erreichen. Ob sie dort jemals war, konnten wir nicht herausfinden.
Was Margarida, die Mutter, genau hat, weiß sie nicht. Sie hustet, klagt über Magen- und Knochenschmerzen und hat sehr starke, langandauernde Regelblutungen.





Das Mädchen heißt Angelina und ist wohl zehn, maximal zwölf Jahre alt (genau wissen das die Leute nur, wenn sie in der Geburtsurkunde nachschauen, so wichtig wird das Alter hier offenbar nicht genommen). Sie muss im Haushalt helfen, eigentlich sogar den Großteil der Hausarbeiten erledigen, weil die Mutter dafür zu schwach ist. Saubermachen, Wasserholen, Geschirrwaschen, Wäschewaschen, Kochen und dann auch noch bei der Feldarbeit mithelfen.

Angelinas Pflichten im Haushalt sind vielfältig. So ist sie zum Beispeil fürs Wasserholen zuständig. Das schöpft sie aus einem kleinen Tümpel in der Nähe. Sauberes Wasser sieht anders aus...
Da bleibt für die Schule dann keine Zeit. Erst recht, weil der Weg zur nächstgelegenen Schule weit ist. Dabei würde das Mädchen sehr gern in die Schule gehen. Sie möchte einmal Lehrerin werden.
Ein Jahr lang hat Angelina die Schule besucht, dann wurde ihre Mutter krank. Seit mittlerweile drei Jahren muss sich Angelina um den Haushalt kümmern. Für die Schule bleibt seither keine Zeit mehr.
Nach einem längeren Gespräch mit der Familie, bei dem wir so viele Rahmenbedingungen wie möglich abklären, brechen wir wieder auf. Eines steht fest: Auch wenn wir nach diesem ersten Besuch noch nicht wissen, wie: World Vision wird versuchen zu helfen.

Nach unserem abenteuerlichen Rückweg durch den "Dschungel" setzen wir uns ins Auto und machen uns zu unserem nächsten Programmpunkt auf.

Sonntag, 27. April 2014

Projektbesuch Mosambik, Nihessiue: Wieder jede Menge Schulbesuche, Wasser & Toiletten

Reisetagebucheintrag 16. April 2014:
Noch vor dem Besuch der Müttergruppe und der Gesundheitsstation kommen wir an der ersten Schule des heutigen Tages vorbei.
Die erste Schule des heutigen Tages...
Wir sprechen mit dem Direktor, unter anderem über ein Thema, das uns während unseres gesamten Aufenthalts im nördlichen Mosambik immer wieder begegnet: Die Frühverheiratung junger Mädchen bereits im Alter von 12 bis 14 Jahren.
Im Gespräch mit dem Direktor erfahren wir, dass es heuer an seiner Schule erfreulicher Weise keinen Fall gegeben hat, in dem ein Mädchen wegen Frühverheiratung die Schule abgebrochen hat, im vergangen Jahr gab es nur einen Fall. Damit sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, schult World Vision Lehrer und sensibilisert Eltern für das Thema.
Das Problem der Frühverheiratung: Die Mädchen werden oft auch früh schwanger, was sich nachteilig auf ihre Gesundheit auswirkt. Außerdem brechen diese Mädchen meist auch den Schulbesuch ab und bleiben so bildungsmäßig auf der Strecke.
Die Frühverheiratung führt auch zu frühen Schwangerschaften, die sich negativ auf die Gesundheit der Mädchen auswirken, ihren Körper auszehren und sie schneller altern lassen.
World Vision arbeitet daher gemeinsam mit den Schulen und anderen Meinungsbildnern daran, diese Tradition durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung der Eltern dahingehend zu verändern, dass die Mädchen erst später heiraten (und schwanger werden) und die Schule möglichst lange besuchen zu können. Leider ist die Frühverheiratung nicht nur eine lange gepflegte Tradition in Mosambik, sondern stellt für die meist sehr armen Familien aus deren Sicht auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit dar. Denn es ist dann nicht nur eine Esserin weniger zu versorgen, der Ehemann des Mädchens unterstützt die Familie auch - entweder mit etwas Geld oder mit Nahrungsmitteln. Es bedarf daher Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen, um die Situtation nachhaltig zu verändern: Neben der Sensibilisierung der Bevölkerung muss auch die Einkommenssituation der Familien verbessert werden. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass World Vision in der Entwicklungszusammenarbeit einen umfassenden Ansatz verfolgt und Probleme nicht nur punktuell angeht. Während Frühverheiratungen in  Kazuzo noch gang und gäbe sind, hat sich die Situation in Nihessiue schon deutlich verbessert, nicht zuletzt eine Auswirkung der Arbeit von World Vision.


Die zweite Schule des heutigen Tages besuchen wir aus zwei Gründen: Zum einen hat ein Spender aus Österreich Regale für die Schule gespendet,die gerade eingetroffen sind. Zum anderen treffen wir dort ein World Vision-Patenkind. Es ist die Mulhaniua-Schule. Wie fast überall, wo wir hinkommen, strömen Kinder herbei, um sich fotografieren zu lassen.
Neugierig kommen die Kinder heran. Mit der Zeit werden es immer mehr, alle wollen auf ein Foto. Die Freude machen ich ihnen gern.

Dank einer Spende aus Österreich konnte die Mulhaniua-Schule Bücherregale anschaffen, eines davon ist hier zu sehen. Der "Schulwart" und meine Kollegin Sabine Stelczenmayr präsentieren es stolz.
Den Besuch der Schule nutzen wir auch, um mit dem Patenkind eines österreichischen Paten zu sprechen. Trotz der ausgeprägten Schüchternheit des Mädchens gelingt es mir, sie zum Lächeln zu bringen. (Azevedo übersetzt für mich: "Du bist ein sehr hübsches Mädchen, aber noch hübscher wärst du, wenn du ein bisschen lachen würdest." Wie man sieht, hat´s funktioniert...)
Auch unser letztes Ziel für den heutigen Tag ist wieder eine Schule. Diesmal steht aber nicht die Schule selbst im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit, sondern der nahegelegene Brunnen und die gerade in Bau befindlichen Toiletteanlagen.
Azevedo kostet das Wasser des neuen Brunnens. Der junge Mann, der die Brunnenpumpe betätigt, ist der für Wasser, Sanitär und Hygiene (kurz WASH für Water, Sanitation and Hygiene) zutändige World Vision-Mitarbeiter in Nihessiue.
Der Brunnen wurde 2013 mit Mitteln von World Vision gebaut. Er versorgt die Schulkinder nicht nur mit sauberem Trinkwasser, das abfließende Wasser wird auch einen kleinen Schulgarten bewässern, der in Kürze angelegt werden soll.
Um auch das ablaufende Wasser sinnvoll zu nutzen, wird unterhalb des Brunnens ein kleiner Schulgarten angelegt.
Als wir bei der Schule ankommen, dämmert es bereits - wir sind aufgrund des dichten Programms schon etwas spät dran. Trotzdem wird noch fleißig gearbeitet: Maurer sind gerade dabei, die Wände der neuen Toiletten zu verputzen. Insgesamt werden drei Toiletten-Blöcke gebaut: Einer für die Mädchen, einer für die Buben und einer für die Lehrer.
Fachmännisch verputzen die Arbeiter die Toilettenwände.

Wie die Toiletten aussehen sollen, wenn sie fertig sind, zeigt man uns auf einer Planskizze. Vor den Toiletten werden auf einem Podest Wassertanks installiert. Dieses Wasser kann dann zum Händewaschen genutzt werden.
Mittlerweile bricht die Dunkelheit herein, wir machen uns also wieder auf den Weg. Da es nach Nampula-Stadt zu weit wäre, übernachten wir heute in Murrupula. Hotels gibt es hier keine. Wir nehmen ein kleines, einfaches Zimmer in einem Hinterhof. Auch wenn die hygienischen Bedingungen mit unseren europäischen Vorstellungen nicht das Geringste zu tun haben: Das Essen, das die Hausherrin Dona Fernanda uns serviert, schmeckt ganz ausgezeichnet.

Sabine Stelczenmayr und ich teilen uns ein Zimmer. Es gibt zwar zwei Betten, aber nur ein Moskitonetz. Dona Fernanda meint zwar, dass es hier ohnehin keine Moskitos gäbe, aber ich habe da so meine Zweifel. Drum bin ich jetzt heilfroh, dass ich das Moskitonetz mitgeschleppt habe, das mir mein Bruder und seine Familie heuer für meine Afrikareise zum Geburtstag geschenkt haben. Und auch meiner weltreiseerfahrenen Schwester bin ich dankbar, dass sie mir ihren Hüttenschlafsack mitgegeben hat. (Ein paar Bettwanzenbisse habe ich trotzdem davongetragen, wie mir der Tropenmediziner in Wien nach meiner Rückkehr bestätigt.) Die Zähne putzen wir uns mit Wasser aus Trinkwasserflaschen, die sonstige Abend- und Morgentoilette muss leider ausfallen, denn "Badezimmer" gibt es hier keines. (Wie gut, dass ich wenigstens eine kleine Flasche Hanghygiene-Gel mithabe: Das funktioniert auch ohne Wasser und sollte in keinem Reisegepäck fehlen.)

Morgen geht es dann wieder zurück nach Kazuzo...

Elisabeth Amann, World Vision Österreich

Freitag, 25. April 2014

Projektbesuch Mosambik, Nihessiue: Eine Müttergruppe stellt sich vor

Reisetagebucheintrag 16. April 2014
In Nihessiue arbeitet World Vision bereits seit mehreren Jahren. Wir merken bei unserem Besuch daher auch, dass hier vieles bereits deutlich besser ist, als im noch "jungen" Kazuzo. So ist auch die Mangel- und Unterernährung kleiner Kinder in Nihessiue bereits merklich zurückgegangen. Zu verdanken ist das vor allem der Aufklärung und Sensibilisierung der Mütter, die in sogenannten Müttergruppen von geschulten World Vision-Fachleuten erfahren, wie sie aus lokal verfügbaren Nahrungsmitteln möglichst nahrhafte Mahlzeiten für ihre Kinder zubereiten können. Eine dieser Müttergruppen besuchen wir heute. Vorher aber geht´s noch kurz ins World Vision-Büro, wo Azevedo mit seinen Mitarbeitern den geplanten Tagesablauf bespricht.
Das World Vision-Büro in Nihessiue
Dann fahren wir auf den obligaten Holperfeldwegen zu unserem ersten Ziel. Unter einem großen Baum, der Schatten spendet, demonstrieren uns die Frauen einer Müttergruppe, was sie gelernt haben. Mit dabei ist auch die Ernährungsexpertin von World Vision, die den Frauen das Wissen über gesunde Ernährung vermittelt hat.
Die Vorsitzende der Müttergruppe (links im Bild) - eine aufgeweckte, quirrlige Frau mit lachenden Augen - bereitet vor unseren Augen den typischen Maisbrei zu und versetzt ihn anschließend mit nahrhaften Ingredienzen.

Ein Teller Maisbrei wird mit geriebenen Erdnüssen vermengt, ein zweiter mit einem Ei und ein dritter mit Erdnussöl. Im vierten Teller bleibt der Maisbrei, wie er ist - damit wir auch geschmacklich den Unterschied erkennen, denn natürlich dürfen wir die Zubereitungen auch kosten.

Unser Favorit ist eindeutig: Die Mischung mit den Erdnüssen schmeckt köstlich. Links im Bild ist die Ernährungsexpertin von World Vision zu sehen, die die Frauen geschult hat.
Zu den Frauen der Müttergruppe haben sich auch einige Männer gesellt: Sie sind Mitglieder einer sogenannten Community Care Coalition, einer Art aus Freiwilligen bestehendem Fürsorgeverein, der sich um Waisen und gefährdete Kinder kümmert.
Auch hier erhalten wir als Geschenk einen Sack, prall gefüllt mit frischen Erdnüssen...

...und werden mit Lied und Tanz verabschiedet.

Elisabeth Amann, World Vision Österreich

Donnerstag, 24. April 2014

Projektbesuch Mosambik, Kazuzo: Schulbesuch

Reisetagebucheintrag 15. April 2014:
Dann geht es weiter auf holprigen, lehmigen Feldwegen, "Straßen" wäre zuviel gesagt. Nach einem kurzen Stopp beim Haus des "Development Facilitators" (der für uns die Besuchstermine arrangiert, damit wir auch alle antreffen, mit denen wir reden wollen) fahren wir zur Mutepuehi-Schule. Dort werden 10 Schulklassen unterrichtet, sechs am Vormittag, vier am Nachmittag, denn für alle zehn gibt es zu wenig Klassenräume.

Die Mutepuehi-Schule in Kazuzo

Ein heftiger Sturm hat einen Teil der Schule zerstört. Es wäre wegen Einsturzgefahr zu gefährlich, hier zu unterrichten.
Auch der zur Schule gehörende Brunnen ist kaputt und müsste dringend repariert werden.
Als "Toilette für kleine Geschäfte" dient ein Paravent aus Strohmatten, der Sichtschutz bieten soll. "Große Geschäfte" erledigen die Kinder im angrenzenden Gebüsch, was wegen der Schlangen gefährlich ist.
Wir sprechen mit dem neuen, äußerst sympatisch wirkenden Direktor und da Azevedo erst seit kurzem für Kazuzo zuständig ist, nützt er auch gleich die Gelegenheit, sich vorzustellen: Gegenseitiges Vertrauen ist die wichtigste Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Menschen im Projektgebiet.
Auch bei unserem Besuch der Mutepuehi-Schule haben sich allerlei Neugierige eingefunden. v.l.n.r (sitzend): Der neue, sympatische Schuldirektor, Ligia, die Kommunikationsassistentin, Antonio, der "Communicator" und Azevedo, der Leiter des Regionalentwicklungsprogramms.
Dann dürfen auch kurz den Unterricht "stören", um die Kinder beim Lernen zu fotografieren.
Auf dem Rückweg besuchen wir eine Familie, von der Azevedo erfahren hat, dass einer der Söhne nicht in die Schule gehen kann, weil er stattdessen für einen Nachbarn Tiere hüten muss. Bezahlt wird er dafür nicht. Azevedo will mit der Familie sprechen und versuchen, dem Buben trotzdem den Schulbesuch zu ermöglichen.

Dann kommen wir an einer anderen Schule vorbei, die dringend renoviert werden muss. Dort erwartet uns neben schaulustigen Neugierigen, die sich überall versammeln, wo wir auftauchen, ein kleiner, alter Mann. Man sieht es ihm nicht an, aber er ist ein sogenannter "local chief". Da diese traditionellen Führungspersonen großen Einfluss auf die Menschen haben, mehr als zum Beispiel die offiziellen Bürgermeister, ist es wichtig, sie in alle Entscheidungen einzubinden. Er hat von unserem Besuch der anderen Schule erfahren und will sicherstellen, dass wir auf "seine" Schule nicht vergessen. Auch ohne Telefon spricht sich unsere Anwesenheit überall wie ein Lauffeuer herum...
Der "local chief" erwartet uns bei der Schule, und wie immer haben sich auch wieder Kinder angesammelt, die uns vorsichtig-neugierig beäugen.

Mit seiner freundlichen Art schafft es Azevedo, die sonst sehr schüchternen Kinder zum Lachen zu bringen. Neben ihm hat der "local chief" auf der sogenannten Schulbank Platz genommen.
Da zwischen den Orten, die wir besuchen, immer längere Autofahrten liegen, bleibt für heute nicht mehr viel Zeit. Aus Sicherheitsgründen sollen wir bei Dunkelheit nicht mehr mit dem Auto fahren, einerseits, weil es entlang der Feldwege keine Beleuchtung gibt, andererseits, weil mit der Dämmerung auch die Moskitos  kommen, die die gefährliche Malaria übertragen. Wir machen uns also wieder auf zu unserem Quartier in Nampula und ruhen uns aus für den nächsten Tag. Da geht es dann in unser Projektgebiet Nihessiue...

Elisabeth Amann, World Vision Österreich

Mittwoch, 23. April 2014

Projektbesuch Mosambik, Kazuzo: Besuch einer Bäckerei-Kooperative

Reisetagebucheintrag 15. April 2014
Am ersten Tag besuchen wir, das sind Azevodo Alves, Leiter von Nihessiue und seit kurzem - zumindest vorübergehend - auch von Kazuzo, Antonio Matimbe, Communicator bei World Vision Mosambik, Ligia Francisco, Antonios junge Assistentin, meine Kollegin Sabine Stelczenmayr und ich, eines unserer jüngsten Regionalentwicklungsprogramme: Kazuzo. Hier hat World Vision erst mit der Arbeit begonnen, es gibt also noch viel zu tun.

Kazuzo liegt etwa eine halbe Autostunde von Nampula-Stadt entfernt. Bevor wir uns dahin aufmachen, besorgt Azevedo für uns noch Wasser in einem kleinen Straßenladen in Nampula. Entlang der Straße sitzen überall Menschen und verkaufen alles Mögliche. Obst, Gemüse, aber auch Kleidung, Ersatzteile, Auto- und Fahrradreifen, alles gebraucht. Auch selbstgemachte Holzkohle und Brennholzbündel bekommt man entlang der gesamten Strecke.
Sobald der Wagen hält, kommen Leute heran und bieten ihre Waren feil: In diesem Fall Bananen und Maiskolben.
Unser erster Programmpunkt in Kazuzo: Wir besuchen eine Bäckerei-Kooperative: 17 Kleinbauern haben sich dazu zusammengeschlossen, 10 Frauen und 7 Männer. Die Kooperative wird von World Vision unterstützt. Im Gegenzug kümmern sich die Mitglieder um Waisen und gefährdete Kinder und auch um World Vision Patenkinder.
Der Großteil der Mitglieder der Kooperative sind Kleinbauern.
Nachdem man uns erklärt hat, wie die Kooperative funktioniert, erhalten wir eine Führung durch die Bäckerei.
Es wird gerade frisches Brot gebacken.

Das noch warme Weißbrot schmeckt uns köstlich, das freut offensichtlich auch die beiden Bäcker. Verkauft wird das Brot direkt bei der Bäckerei und auf dem lokalen Markt.

Wie bei den gastfreundlichen Mosambikanern üblich, erhalten wir zum Abschied noch ein Geschenk: Einen Kübel voll mit frisch geernteten Erdnüssen und einen mit Cassava-Wurzeln. Wie es sich gehört wird davon natürlich auch gleich gekostet. 
Da wir unmöglich alles selbst essen können, es aber auch unhöflich wäre, das Geschenk abzulehnen, wird Azevedo es einer Einrichtung bringen, die sich um Waisenkinder kümmert und die Lebensmittel gut brauchen kann.
Die Mitglieder der Kooperative verabschieden uns mit einem Lied, zu dem sie für uns tanzen.

Elisabeth Amann, World Vision Österreich

Projektbesuch Mosambik, Ankunft

Reisetagebucheintrag 14. April 2014:
Der lange Flug - samt stundenlangen Zwischenaufenthalten auf diversen Flughäfen - macht sich bemerkbar. (Kein Wunder, wenn man täglich mindestens 9 Stunden Schlaf gewöhnt ist und diesen auch zu brauchen glaubt...). Abflug in Wien gestern um 15:30 Uhr, Zwischenstopp in Kairo. Heute morgen um 7:10 Uhr Ankunft in Johannesburg, nachmittags um 14:00 Uhr endlich Ankunft in Nampula, meinem Zielort.

Auch in Zeiten von Wiki & Co. sind die im World Wide Web zu findenden Informationen über diese Stadt im Norden Mosambiks eher spärlich. So viel erfährt man: Nampula ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, gilt als wirtschaftliches Zentrum des mosambikanischen Nordens und beherbergt einen wichtigen Militärstützpunkt. Nampula hat zahlreiche Gebäude aus der portugiesischen Kolonialzeit. Typisch für die Region sind die baumbestandenen Plätze. Das war´s dann aber auch schon wieder...

Dann eben Mosambik: Ehemalige portugiesische Kolonie (drum Portugiesisch immer noch als offizielle Amtssprache, die ich natürlich nicht beherrsche, ich muss mich mit meinem Schulenglisch durchschlagen), 1964 Portugiesischer Kolonialkrieg, 1975 Unabhängigkeit als Volksrepublik Mosambik, 1976 Bürgerkrieg, der 16 Jahre lang dauert. Und heute? Heute ist Mosambik eine parlamentarische Demokratie und ein neutraler Staat. Die Verfassung von 1975 wurde im Dezember 1990 durch eine neue ersetzt und 2005 überarbeitet. Ein Mehrparteiensystem, die Trennung von Exekutive, Legislative und Judikative sowie Pressefreiheit, Streikrecht, Umweltschutz und die Gleichstellung der Geschlechter wurden eingeführt. Die Marktwirtschaft wurde als grundlegendes Prinzip festgelegt. Aus der Volksrepublik wurde die Republik Mosambik. Das alles zumindest offiziell. Obwohl das Land als Musterbeispiel für erfolgreichen politischen und wirtschaftlichen Wandel und als politisch einigermaßen stabil gilt, gehört Mosambik in Sachen Armut weltweit immer noch zu den Schlusslichtern (Rang 185 von 187 des Human Development Index). Weit mehr als die Hälfte der 24,5 Millionen Mosambikaner sind immer noch bitterarm.

Für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes könnten die enormen Vorkommen an natürlichen Ressourcen und die großen landwirtschaftlichen Potenziale genutzt werden. Denn Mosambik ist nicht nur reich an fruchtbarem Ackerland, sondern auch an Bodenschätzen, darunter sehr seltene und äußerst begehrte: Aluminium, Gold, Kupfer, Eisenerz, Vanadium, Niob, Tantal, Titan, Zirconium, Diamanten, Zement, Fluorit, Seltenerdmetalle, Edelsteine, Rohphosphat, Graphit, Kohle und Erdgas.

Tantal zum Beispiel ist ein sehr selten vorkommendes Metall, das vorwiegend für Kondensatoren mit hoher Kapazität bei gleichzeitig geringer Größe verwendet wird. Da das Metall ungiftig und in Bezug auf Körperflüssigkeiten inert (soll heißen: wenig bis gar nicht reaktiv) ist, wird es auch für Implantate, etwa für Knochennägel, eingesetzt. (Quelle: Wikipedia)
Genau darauf spitzen aber auch andere, namentlich die "Kolonialmächte von heute": multinationale Konzerne und aufstrebende Länder wie China, aber auch genügend andere. Die einen wollen die wertvollen Ressourcen ausbeuten und auf dem fruchtbaren mosambikanischen Boden Pflanzen für Biotreibstoffe anbauen, die anderen Lebensmittel produzieren. Allerdings ist alles für den Export bestimmt - die arme mosambikanische Bevölkerung hat davon - oh Wunder! - nichts.

Gerade die Armut der Bevölkerung ist der Grund für die Anwesenheit von World Vision in Mosambik. Gemeinsam mit unseren Paten in Österreich und unseren mosambikansichen Kollegen arbeiten wir daran, die Lebensbedingungen der Menschen hier zu verbessern. Bald werde ich unsere beiden Projektgebiete - Nihessiue und Kazuzo - zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen.

Sabine Stelczenmayr, meine Afrika-erfahrenere Kollegin aus unserer Abteilung Internationale Programme, ist bereits seit einer Woche hier, um unsere mosambikanischen Kollegen bei der heuer wieder fälligen Datenerhebung zu unterstützen, die World Vision regelmäßig zu Evaluierungszwecken durchführt. Und ich werde heute auch auf zwei "alte" Bekannte treffen, die ich vergangenen November in Wien kennengelernt habe: Azevedo Alves, Leiter unseres Regionalentwicklungsprojekts Nihessiue und seit kurzem auch interismistischer Leiter von Kazuzo, und Antonio Matimbe, Kommunikationsmitarbeiter von World Vision Mosambik. Sie haben im vergangenen Jahr unseren österreichischen Paten über die Arbeit in Nihessiue und Kazuzo berichtet.

Ich freue mich schon auf das Wiedersehen und hoffe, dass ein bisschen Oster-Schokolade und die obligaten Mannerschnitten aus Österreich auch Azevedo und Antonio unser Zusammentreffen ein wenig versüßen...



Auch in Afrika sehr beliebt, drum dürfen die Wiener Traditions-Schnittchen auch nie fehlen, wenn sich einer von uns auf die Reise in ein Projektgebiet macht. (Foto: Manner)

Elisabeth Amann, World Vision Österreich

Sonntag, 13. April 2014

Projektbesuch Mosambik, Reisevorbereitungen

Reisetagebucheintrag 13. April 2014:
Heute ist es also soweit, ich begebe mich auf die große Reise. Zum ersten Mal im Leben und mutterseelenallein verlasse ich Europa - und beende damit mein Dasein als Angehörige einer aussterbenden Minderheit: Denn welcher Europäer kann heute noch mit Fug und Recht von sich behaupten, den eigenen Kontinent noch nie verlassen zu haben?

Wie dem auch sei, das ist nun vorbei: Afrika, ich komme!

Die Reisevorbereitungen gestalteten sich - meinem beschränkten Erfahrungshorizont entsprechend - gefinkelt. Aufgrund meiner allzu naiven Fragen von Kollegen und Freunden gleichermaßen belächelt, sammelte ich in den Wochen vor dem großen Abenteuer still und heimlich alle mir relevant erscheinenden, sachdienlichen Hinweise, die ich finden konnte. (So erfuhr ich etwa, dass der Biss der bis zu 4,5 Meter langen, in Süd- und Ostafrika beheimateten schwarzen Mamba zwar absolut tödlich, aber trotzdem halb so wild ist, weil das starke Gift den Gebissenen offenbar in einen morphinähnlichen Rausch versetzt, der von diesem als durchaus angenehm empfunden wird. Das hat mich ungemein beruhigt, zumal Begegnungen zwischen Mensch und der größten und schnellsten Giftschlange Afrikas laut Wikipedia häufiger stattfinden, als angenommen.)
Entgegen der landläufigen Meinung sind schwarze Mambas nicht schwarz, sondern eher bräunlich-grau. Ihren Namen verdanken sie der Farbe ihres geöffneten Mauls. Wenn man das sieht, ist es allerdings in den meisten Fällen zu spät...
Ich ließ mich reihenweise in den Arm stechen (Gelbfieber, Typhus, Meningokokken, Auffrischung Diphterie, Tetanus, Polio, Keuchhusten. Hepatitis A + B hatte ich gottlob schon...), hörte mir schaurig-schöne Geschichten über persönlichkeitsstörende Nebenwirkungen der Malaria-Prophylaxe an und ließ mir den grausamen Todeskampf bei einer Tollwut-Infektion detailgetreu schildern. (O-Ton des Tropenmediziners: "Es gibt wirklich schönere Arten zu sterben.") Impfen habe ich mich trotzdem nicht lassen. Wenn mich etwas beißt, muss ich binnen 48 Stunden im Krankenhaus in Johannesburg sein, sonst ist´s um mich geschehen. Und ich muss mich halt ausnahmsweise ein wenig zurückhalten mit "fremde Tiere streicheln". Vor allem von tollwütigen Hunden, Affen und Fledermäusen sollte ich zu meiner eigenen Sicherheit vorübergehend die Finger lassen.

Wie auch immer: Morgen Früh betrete ich erstmals afrikanischen Boden...

Elisabeth Amann, World Vision Österreich

PS: Ich entschuldige mich hiermit gleich prophylaktisch für meinen gesamten Blog dafür, dass ich mir sparen werde, die politisch natürlich völlig korrekte Genderschreibweise mit Binnen-I (und schon gar die platzraubendere Variante mit -innens und -ers, oder was auch immer) zu benutzen. Ich kann versprechen, dass dies nur aus Gründen der besseren Lesbarkeit (und zugegebenermaßen auch aus Gründen meiner eigenen Bequemlichkeit) geschieht. Gemeint sind natürlich immer beide Geschlechter.

Donnerstag, 7. November 2013

Rückkehr aus Sierra Leone



Das Reiseteam mit unseren beiden Kollegen Elisabeth Donnaberger und Anton Kühnelt-Leddihn sind am Wochenende wieder gut in Österreich gelandet – und können von einer erfolgreichen Reise berichten! Wie Ihr gelesen habt, hatte das Ärzteteam des Sanatoriums St. Leonhard in Sierra Leone Hervorragendes geleistet. Auch der ORF, die Kronen Zeitung und die Zeitung „Politico“ aus Sierra Leone haben darüber berichtet!

Montag, 4. November 2013

Sierra Leone - Letzter Tag


Es geht nach Hause, heute müssen wir Abschied nehmen von der wunderbaren Landschaft und vor allem von den wundervollen Leuten, die uns so herzlich aufgenommen haben. Müde, aber voll mit den vielen Eindrücken und Erlebnissen in diesen beiden Wochen machen wir uns auf von Koidu nach Boh und dann Freetown, wo wir noch eine kleine Nachbesprechung mit dem National Director haben.


Unsere Reisegruppe bei der Abfahrt in Koidu/Kono
Die Tage im Feld waren für alle eine Herausforderung und eine emotionale Achterbahnfahrt. Auf der einen Seite standen die Armut und auch eine Hilflosigkeit von uns, alle Probleme lösen zu können. Auf der anderen Seite haben wir die wundervolle Arbeit von World Vision Sierra Leone gesehen, die eine Hoffnung in sich trägt, wie uns die Einheimischen regelmäßig berichtet haben. In diesem Land schlummert viel Potenzial, und wir sind sicher, dass wir das nächste Mal einen großen Fortschritt sehen werden!

Abschließend danke an alle, die mitgemacht und mitgeholfen haben, aber auch allen, die unseren kleinen Blog verfolgt haben! Hier im Feld kann man direkt erleben, wie wichtig die Paten sind, die diese Arbeit erst ermöglichen.

Bye Bye from Sierra Leone

Anton Kühnelt-Leddihn