Dienstag, 19. November 2013

Taifun Haiyan - Maria Theresas Baby lächelt wieder (Teil II)

Maria Theresa, ihr Ehemann und ihre beiden Töchter Cyrah Mae, 4, sowie Baby Ella leben in dem Dorf Somosa, einige Kilometer von hier entfernt. Das Haus ihrer Familie wurde durch einen Sturm zerstört, sagt sie.

„Seither leben wir in der Schule; und diese ist sehr weit von hier entfernt“, fügt Maria Theresa hinzu. Ihr Ehemann hat auf einer Baustelle für die Gemeinde rund zwei Fahrstunden von hier entfernt gearbeitet. Seit dem Taifun konnte er nicht in die Arbeit gehen. Wenn es hier Jobs gibt, würde jemand zu ihm nach Hause kommen und ihn anheuern; doch seit dem Taifun konnte er nicht mehr zu Hause sein.

„Während des Sturms haben wir alle Panik gehabt“, erzählt dann Maria Theresa. „Als das Schlimmste vorüber war, mussten wir kriechend fliehen, denn der Wind war so stark. Wir haben unser Baby unter eine Plastikabdeckung gesteckt und sind dann die Berg hinaus gekrochen bis zu Schule auf der anderen Seite. Jetzt jedoch hat uns die Schulleitung erklärt, dass wir bis Montag die Schule wieder verlassen müssen.“

Am Tag nach der Verteilung wird die Familie beginnen, Material ihres zerstörten Hauses zu sammeln, so dass Maria Theresas Ehemann eine kleine Hütte zum Wohnen bauen kann.

„Die Nahrung wird uns allen sehr helfen“, sagt Maria Theresa. „Es sollte für zwei Wochen ausreichen.“
„Das wird die härteste Zeit für uns werden“, weiß Maria Theresa. „Wir werden versuchen, zurück nach Hause zu gehen, dann wird auch mein Mann wieder in die Arbeit gehen können. Ich weiß nicht, was wir ohne diese Hilfe tun würden.“

Maria Theresas Schwiegermutter, Cleopa Itang, 62, hat auch ihr Haus durch den Taifun verloren. Sie hat mit ihren Enkeln im Teenager-Alter in der Nähe der Familie von Maria Theresa gelebt. Eines ihrer Enkeln ist ein Bauarbeiter wie ihr Sohn. Die beiden werden zusammenarbeiten, umein provisorisches Häuser von den Resten ihrer alten Häuser zu bauen.

Die Familie hat einen Plan, wie es weiter gehen soll. Der Reis, die Bohnen und die Dosensardinen, die sie heute mitnehmen, ist ein ganz wichtiger Bestandteil davon – zusammen mit den Werkzeugen und Fähigkeiten zweier Bauarbeiter und der Fähigkeit der Mütter, ihre Familien zu ernähren.

Kathryn Reid

Montag, 18. November 2013

Taifun Haiyan - Maria Theresas Baby lächelt wieder

Maria Theresa Itang, 24, trägt ihr zufriedenes Baby auf ihrem Arm. Gelegentlich hebt sie ihr rosa T-Shirt leicht an, um ihr Baby zu stillen. Zusammen mit ihrer Schwiegermutter Cleopa und ihren Nachbarn sitzt sie am Fuße des Hügels beim Eingang des Tabugon-Gemeinschaftszentrums in Somosa im Norden von Cebu. Etwas höher auf dem Hügel spielen hinter ihnen Kinder auf den Ästen eines großen Baumes, der vom Taifun Haiyan umgestoßen wurde. Vor über einer Woche noch hätten sich Maria Theresa und ihre Nachbarn dieses Bild nicht vorstellen können.

Tausende Menschen aus der Umgebung stellen sich in der Reihe des unteren, gepflasterten Hofes auf. Freiwillige, örtliche Mitarbeiter des Gesundheitswesens und das World Vision-Hilfsteam stellen das Verteilungssystem auf. Sie registrieren Hilfsempfänger, transportieren Hilfsgüter von den Lastwägen und verteilen Wasser, Nahrung und Hygienesets. Bevor der Tag vorbei ist, werden 780 Familien – das sind etwa viertausend Personen – die notwendigen Güter haben.

Jedoch steht hinter dieser ersten Verteilung eine Armee von Helfern. Sie beschaffen die Güter, sorgen für die Logistik der Flüge und Schiffe und zeichnen Linien in ihren Plan, wo die Brücken zerstört und die Straßen unpassierbar geworden sind, wodurch Gebiete, in denen hilfsbedürftige Menschen leben, kaum zugänglich geworden sind.

Und manchmal ist Maria Theresa überwältigt von der Versorgung für sie und ihr kleines Kind – als eines der vielen hilfsbedürftigen Menschen...

Kathryn Reid

Taifun Haiyan - „Danke, dass wir leben“

Die 13jährige Rovita und ihre Familie haben den Taifun Haiyan nur knapp überlebt. Unserer Kollegin Crislyn Felisilda schildert sie den verzweifelten Kampf ums Überleben.

Rovita und ihre Familie haben sich zusammen in ihrer Baracke in Daan Bantayan im Norden der Insel Cebu gedrängt, als der Taifun vor einer Woche zuschlug. Ihre Mutter Evelyn sagte ihren Kindern, sie könnten im Haus bleiben, weil es da sicherer sei. Doch als der Wind heulte und schwere Regenfälle brachte, begannen die Häuser einzustürzen und die Bäume umzukippen.

„Meine Kinder haben geweint. Ich konnte kaum atmen“, schildert Evelyn. „Wir haben nur gebetet.“
Die Familie hat versucht, durch die Hintertür zu fliehen. Und dann ist das Haus zusammengefallen.
Der Wind hat uns umgestoßen, als wir zur Schule liefen. Ich habe meinen Geschwistern gesagt, sie sollen sich bewegen“, erinnert sich Rovita. „Ich war so verängstigt und konnte kaum die Umgebung sehen.“

Glücklicherweise konnte sich die Familie in der Schule in Sicherheit bringen, zusammen mit mehr als dreihundert anderen Familien. Doch dann begannen auch die Wände der Klassenzimmer zu brechen. „Wir haben gezittert und sind gelaufen, wie es nur ging“, erzählt Rovita. „Die älteren Kinder haben die jüngeren beschützt. Wir fühlten schon die Nässe und Kälte. Dann stürzte ein großer Baum auf die Schule und zerschlug das Dach. Das war der schrecklichste Augenblick in meinem Leben. Ich dachte, ich müsse sterben und würde meine Familie nicht wieder sehen.“

Jetzt leben Rovita und ihre Familie in einem kleinen Zelt vor ihrem zerstörten Haus und hofft auf eine rasche Hilfe. Doch vor allem ist Rovita dankbar, dass sie und ihre Familie überlebt hat. „Ich bete zu Gott und danke ihm, dass wir den Taifun überlebt haben.“

Crislyn Felisilda

Freitag, 15. November 2013

Taifun Haiyan - 900 Familien auf Cebu versorgt!


Unseren Hilfsteams ist es heute gelungen, dringend benötigte Hilfsgüter an Opfer des Taifuns Haiyan auf der philippinischen Insel Cebu zu verteilen!
900 Familien insgesamt erhielten Lebensmittel, Wasser und Hygiene-Sets. Die Empfänger hatten zum ersten Mal seit sechs Tagen Hilfe bekommen.

„Wir sind glücklich, dass die Verteilung endlich stattfinden konnte und dass alles ruhig und friedlich abgelaufen ist“, erklärte unsere philippinische Mitarbeiterin Joanne Tay. „Obwohl sie hungrig und durstig waren, verhielten sich alle Empfänger vorbildlich diszipliniert.“ Die Familien sind durch die Hilfsgüter nun für etwa zwei Wochen lang mit Nahrung und Trinkwasser versorgt.

Darüber hinaus erhielten die Menschen Hygiene-Artikel wie Seife und Desinfektionsmittel. Übrigens kam bei der Verteilung kam auch eine spezielle World-Vision-Technik zum Einsatz: eine Karte zum Erfassen der Empfänger, ähnlich einer EC-Karte, die gewährleistet, dass niemand mehrfach oder unberechtigt Hilfsgüter erhält!

Minnie Portales

Taifun Haiyan - Familien kämpfen ums Überleben



Im zweiten Teil ihres Berichts schildert unsere Kollegin Lanelyn Carillo den Überlebenskampf einer fünfköpfigen Familie und wie die zwölfjährige Christine ihre Schulfreunde vermisst.


Noel, 45, ein Vater von drei Kindern, sagt, dass er und seine Familie kein Haus hätten, in welchem sie bleiben könnten, keine Nahrung, keine Kleidung und kein Wasser. Sie sind vorläufig nur auf Hilfslieferungen der Regierung oder Privater angewiesen.

„Wir danken den Menschen, aber die Lieferung kann nur ein paar Tage dauern. Danach würden wir entweder gekochte Bananen oder überhaupt nichts essen“, befürchtet Noel. Er fährt ein Dreirad, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, doch er verdient so wenig, dass er sich an einem Tag nicht einmal eine große Getränkeflasche leisten kann.

Mehr „Glück“ hat die zwölfjährige Christine. Sie erzählt mir, dass viele ihrer Nachbarn Wasser aus einem Brunnen nahe dem Haus ihrer Tante bekämen. Christine und ihre drei jüngeren Geschwister leben nun im Haus ihrer Tante, nachdem der Taifun Haiyan ihr Haus zerstört hat. Ihr Vater arbeitet in Manila. Die Schulen sind für eine Woche geschlossen, weil fast alle Schulgebäude von dem Taifun beschädigt worden sind. „Ich möchte zurück in meine Schule“, fügt Christine hinzu. „Es ist besser, in der Schule als hier zu sein. Ich bin viel glücklicher in der Schule mit meinen Freunden.“

Die Straßen in Tinubdang, Daanbantayan, sind mit Menschen überfüllt, die auf umgestürzten Baumstämmen oder behelfsmäßigen Bänken, um auf Nahrung oder Wasserlieferungen zu warten.

„Sie tun das immer so. Sobald sie von Hilfslieferungen hören, laufen sie zu den Plätzen, wo die Nahrung verteilt wird. Als ich Christine frage, wie sie sich in dieser Situation fühlt, sagt sie: „Ich möchte die Menschen so nicht sehen. Aber sie haben nichts zu essen. Sie haben keine andere Arbeit. Meine Geschwister und ich sind froh, dass unser Vater in Manila arbeitet. Doch die Väter anderer Kinder haben keine Arbeit mehr. Das ist traurig.“

Lanelyn Carillo