Dienstag, 18. Oktober 2011

Patenreise nach Ghana: Bootsausflug zum größten Stausee der Welt

2. Tag

Nach einem ausgezeichneten Frühstück in der Aylos Bay Lodge begannen wir unseren Tag mit einer Bootsfahrt über den Voltasee. Dieser See ist der größte von „Menschenhand“ gebaute Stausee der Welt.

An den Ufern des Sees wachsen Bananenplantagen. Außerdem konnte man auf dieser Bootsfahrt sehr gut beobachten, wie sich die Einheimischen in diesem See nackt waschen. Das Wetter war angenehm warm und keinesfalls zu heiß.´

Die Bootsfahrt dauerte etwa zwei Stunden und unser englischsprachiger Reiseführer teilte uns viele interessante Informationen mit. Er erklärte uns zum Beispiel, dass der lokale Wein aus Palmen gewonnen wird und die Haupteinnahmequelle am Voltasee die Fischerei ist.

Freitag, 14. Oktober 2011

Patenreise nach Ghana: Ankunft in Accra



„Aufgeregt?“ War meine Frage an eine der Ankommenden am Flughafen Wien. „Ja sehr! Seit meiner Abreise von meinem Wohnort heute am frühen Morgen bin ich von Gefühlen und Spannung überwältigt, - in ein paar Stunden lande ich in Ghana, und werde eine Woche in eine komplett andere Welt eintauchen.“ Gegen 10 Uhr am Samstag, den 15. Oktober war die Gruppe vollständig. 16 Personen aus allen Teilen Österreichs, die einander teilweise gar nicht kennen, die aber eines verbindet: eine Kinderpatenschaft bei World Vision. So verlief die Vorstellungsrunde fast wie ein Treffen alter Freunde.

Noch schnell ein bisschen Lesestoff kaufen und einen Melange vor dem Abflug und schon sitzen wir in einer Boeing 777 der British Airways Richtung London, wo wir den Anschluss nach Accra, der Hauptstadt von Ghana, erreichten. Tapfer hielt auch Annemarie Tschon aus Bludenz mit, die trotz einer schweren Knieverletzung, die sie sich erst vor drei Wochen zugezogen hatte, es sich nicht nehmen ließ, ihre Enkelin Olivia (18), Patin seit drei Jahren(!) bei dieser Reise zu begleiten. Da war auch gleich Gerhard Brunner, Koordinator der 80 World Vision Ehrenamtlichen, hilfreich mit einem Rollstuhl zur Stelle. Gegen 20 Uhr Ortszeit landeten wir schließlich in Accra: reges Treiben auf dem für eine 8-Millionen-Stadt etwas zu klein geratenen Flughafen.

Und dann wurde es afrikanisch: Der Bus war zwar da, er hatte auch genügend Plätze, - nur hat offenbar keiner damit gerechnet, dass wir mit Gepäck anreisen, - da war kein Kofferraum! Da hilft nur eines: cool bleiben, was bei 27 Grad und einer tropischen Luftfeuchtigkeit nach einem 7 Stunden Flug ein gewisses Talent zur Wurschtigkeit erfordert. So als wäre nichts dabei, türmten unser Fahrer und der Reiseleiter mit viel Geschick Koffer für Koffer in den Bus und wie durch ein Wunder fand auch jeder von uns so etwas wie einen Sitzplatz. Inzwischen war es schon gegen 22 Uhr und Magenknurren war trotz des Motorknatterns nicht zu überhören: Also wurde kurzerhand ein Stopp ins Programm eingebaut und wir fanden uns in einem Chicken Inn Fastfood Restaurant wieder, kombiniert mit einer Tankstelle und einer mindestens so ohrenbetäubenden wie perfekt improvisierten Open-Air-Disco. Die Stimmung war gut. Etwas nachdenklich wurden einzelne Mitreisende, als während der Fortsetzung unserer nächtlichen Busfahrt, gelegentlich angehalten werden musste, um irgendetwas im Motorraum in Ordnung zu bringen. Genau haben wir es nie erfahren, aber es dürfte sich das Gasseil bei der heftigen Überwindung von Schlaglöchern immer wieder ausgehängt haben. Wer afrikanische Straßen kennt, weiß auch, dass man öfter als nur einmal das Gasseil wieder einhängen musste.

Endlich in der Lodge angekommen verschwanden die Teilnehmer zügig in ihren Zimmern, um für den am folgenden Tag geplanten Bootsausflug über den Volta-See ausgeschlafen zu sein.

In den nächsten Tagen werden wir die Paten und Patinnen einzeln vorstellen und sie werden ihre Eindrücke selbst in diesem Block festhalten. Begleiten Sie uns auf unserer Reise, die uns schließlich auch in unser Projektgebiet Assin führen wird, wo wir den Patenkindern begegnen werden.

Donnerstag, 15. September 2011

Entwicklung erleben in Äthiopien



World Vision Mitarbeiterin Silvia Holten berichtet aus Äthiopien






Heute konnten wir endlich alle unsere Genehmigungen abholen, damit wir nun ins Projektgebiet aufbrechen können. Dennoch war es gut, ein paar Tage in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zu verbringen, um ein Gefühl für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes zu bekommen. Letztlich sprach ich von Baumboom in der Stadt, aber die Beschreibung trifft es eher, wenn man von Bauwut spricht. An jeder Ecke wird ein Hochhaus nach dem nächsten hoch gezogen und die ausländischen Investoren geben sich die Klinke in die Hand. Heute morgen hatte ich Gelegenheit, mit einem Regierungsvertreter aus Saudi-Arabien zu sprechen. Seine Regierung wolle in großem Stil in Äthiopien investieren, da man eine gute Zukunft für das Land sähe.

Montag, 22. August 2011

Mindy Mizell in Dadaab: "Wir sind alle gleich"


In den letzten vier Wochen war ich auf dem Horn von Afrika und habe erfahren, wie unterschiedlich und doch wie ähnlich wir einander sind. Auch wenn Afrika nicht New York City ist und ich nicht immer sicher bin, was ich essen werde: Menschen sind Menschen, und das ist unser gemeinsamer Nenner.

Heute habe ich mit somalischen Flüchtlingen gesprochen, die nun in Dadaab leben, dem derzeit größten Flüchtlingslager der Welt. Ihre Geschichten sind unglaublich. Ein Mann, Baaf, ist erst vor zwei Tagen angekommen – nach einem zweiwöchigen Fußmarsch von Gebiet um Mogadischu in Zentralsomalia. Seine siebenköpfige Familie hat nichts... nicht einmal einen Platz zum Schlafen. Er sagt, dass sie unter den Sternen schlafen.
Dann habe ich einen anderen Burschen getroffen... den 15jährigen Mohamed aus Südsomalia. Er und seine siebenköpfige Familie haben in einer behelfsmäßigen Hütte gelebt, bestehend aus Stäben, die vor einigen Tagen zusammenbrach. Mohamed ist ein somalischer Flüchtling, der einer der ersten Flüchtlinge im neuen Flüchtlingslager von Dadaab ist, das heute geöffnet wurde. “Ich bin sehr glücklich”, sagte Mohamed über sein neues Zelt. “Bis jetzt war es sehr schrecklich. Wir hatten nur Stäbe, um eine Unterkunft zu bauen. Vor zwei Tagen wurde es weggeblasen.”

Während ich ihre Geschichten angehört habe, habe ich wahrgenommen, dass wir alle einen Ort haben möchten, den wir unser Zuhause nennen. Wir alle wollen einen Raum, den wir unser eigen nennen, von dem wir wissen, dass er uns ein Gefühl der Sicherheit und Leichtigkeit gibt.

Mein neuer Freund Mohamed hat nicht viele Wörter gebraucht, um zu beschreiben, wie er sich in seinem neuen Haus besser fühlt als wo er bisher gelebt hat. Er wantwortete: “Ja, das ist gut!” Dann bestand Mohamed darauf, von uns beiden gemeinsam ein Foto zu machen. Wir sehen... wir sind alle gleich... unabhängig davon, wie weit wir von Zuhause sind.

Donnerstag, 18. August 2011

Inmitten der Hungersnot: Abdillah (13) erzählt über Glück

Mindy Mizell, Leiterin des Medienteams von World Vision, berichtet aus dem Camp Dadaab in Kenia, dem derzeit größten Flüchtlingslager der Welt:
Diese Woche habe ich meinen ersten Weg über die somalische Grenze gemacht, um einige der 400.000 Flüchtlinge zu treffen, die im Flüchtlingslager Dadaab leben. Ich habe den Großteil meiner Zeit mit den Kindern verbracht. Wir haben nicht die selbe Sprache geteilt, aber bewiesen, dass Lächeln, Winken und Lachen unser gemeinsamer Nenner ist. Ich habe unter den somalischen Flüchtlingskindern neue Freunde, die allesamt keine Probleme machen, und so wurden wir mit Neugier willkommen geheißen.
Der 13jährige Abdillah, ein somalischer Flüchtling, lebt seit etwa zwei Monaten in Dadaab. Er hat mich gelehrt, dass Kinder das Unglück in ihrem Leben nicht sehen. Abdillah war einer von wenigen Kindern, die ich diese Woche getroffen habe und der fließend Englisch spricht. Ich konnte ihn interviewen und etwas über seine Geschichte erfahren.
Abdillah hat in seiner Heimat Somalia Englisch in der Schule gelernt. Seine Familie musste ihr Zuhause verlassen, um Wasser und Nahrung zu finden und um der Gewalt zu entkommen. Was mich am meisten berührt hat, war die Antwort auf meine Frage, was World Vision und andere Hilfsorganisationen tun können, um bestmöglich zu helfen. Ich habe die Antwort erwartet, dass er mehr Nahrung, mehr Wasser, bessere Kleidung oder vielleicht einen Fußball haben möchte. Tatsächlich hat mir Abdillah gesagt, wieder in die Schule gehen zu wollen.



Nicht nur Abdillah glaubt an eine gute Zukunft. Er hat einige Minuten mit seinen somalischen Freunden gesprochen und mir dann gesagt, dass sie alle in die Schule gehen müssen, um eines Tages gute Jobs zu finden. Abdillah hat während meines Besuches kein einziges Mal geklagt. Er hätte einfach über die unglücklichen Umstände erzählen können, die er erdulden musste. Stattdessen hat mir Abdillah erzählt, wie "glücklich" er war. Er hatte genug Wasser, Nahrung und war dankbar über den Besuch von World Vision. Ich bin von Abdillah mit einer Lehre gegangen: Glücklicherweise sind Kinder wie er fähig, einen Sinn für Optimismus und Hoffnung aufrecht zu erhalten und selbst angesichts der bedrückendsten Umstände zu hoffen. Und glücklicherweise hat uns Got erlaubt, unsere Wege zu kreuzen, so dass ich seine Geschichte erzählen konnte.